Es war ein Novembermorgen in April 2012. Der Himmel war dunkel und mit schweren Regenwolken beladen, die Nacht über hatte es bereits kräftig geschüttet und auch jetzt fielen die Tropfen noch gleichmäßig vom Himmel. Schnuckelige 8 °C und ein gleichmäßiger Südwestwind mit 4 bft. trugen nicht unbedingt dazu bei die Ralderklamotten voller Begeisterung anzuziehen.
Aber zu lange hatte ich mich schon auf diese Tour gefreut, daher lud ich mein Rad und die Packtaschen in mein Auto und machte mich auf den Weg zum Treffpunkt am Bahnhof in Geldern … so schlimm wird es schon nicht werden denn mittlerweile wußte ich das meine Regensachen wasserdicht sind. Je näher ich Geldern kam, desto mehr klarte es auf und erste Sonnenstrahlen fanden den Weg durch durch die Wolkendecke.
Am Bahnhof hatte sich bereits eine größere, gut ausgerüstete Gruppe Radler versammelt. Ich war begeistert von der Vielzahl der Räder, die ich sonst nur von Bildern oder aus dem Internet kannte … Patria, Velotraum, Surly, Salsa … viele liebevoll selbst aufgebaute und ausgestattete Räder … sogar mit Rotweinflaschenhater an der Gabel … like it! Liegeräder, Trekker, Crosser, Reiseräder – und mein Falter
Nachdem der Zug aus Düsseldorf den Rest der Truppe abgeliefert hatte setzte sich die Gruppe in Bewegung. Vorwiegend über Nebenwege führte der Weg durch Walbeck direkt in das Gebiet der Maasduinen.

Wir konnten es kaum glauben, vor uns tat sich ein Radweg auf, der seinem Namen alle Ehre machte … eben, breit, asphaltiert und nur wir, was für eine Freude … das wird eine entspannte Tour, so hatte ich es mir vorgestellt … aber war nicht Sand angedroht, Schotter und Kies?
Es dauerte keine 5 Minuten, da verliessen wir den schönen Radweg und bogen in den Wald ein, mit jedem Meter wurden die Wege – sagen wir mal interessanter, die Gegend veränderte sich total. Sind wir es hier am Niederrhein doch eher gewohnt auf Neben- und Wirtschaftswegen entlang von Feldern zu fahren, oder auf befeestigen Wegen auf Deichen, entlang von Flüssen oder durch Wälder zu radeln, so bot sich hier ein ganz anderen Bild.

Es wurde sandiger, immer öfter war der Belag der Wege ziemlich locker – Wurzeln gehörte der Weg, Fahrrinnen und Schlaglöcher luden zm Slalom ein … noch halbwegs befestigte Wege gingen allmählich in Sandwege über, der Sand wurde tiefer – noch tiefer mein Schaltwerk zog eine Furche durch den Sand.

Als Steigerung hat die Natur nun noch einige kleinere Hügel eingebaut … im tiefen Sand ging es nun aufwärts und abwärts … mal auf dem Rad, mal neben dem Rad. Mein Plus stieg an, die Muskeln begannen zu brennen … wenn es jetzt noch 70 Kilometer so weiter geht, werde ich zwischendurch aussteigen … das ist mir dann doch zu viel. Die Entscheidung eine Pause zu machen kam zur rechten Zeit, zumal es so aussah, das der schlimmste Teil überstanden war. Ich hoffe, es hat niemanden gestört, das ich doch hin- und wieder geflucht habe.
Die Pause ließ die Kräfte schnell zurückkehren, Fachsimpelei wurde nur durch ein paar Regentropfen unterbrochen, allerdings, je mehr Teilnehmer ihre Regensachen anzogen, desto weniger Tropfen fielen herab … in der Ferne konnte wir sehen, das es dort aus Eimern und Kübeln schüttete – Glück gehabt! Kurz nach dem Aufbruch ging es allerdings erst einmal weiter, wie wir es schon gewohnt waren … auf und ab, Sand, tiefer Sand, noch tieferer Sand … es gibt in den Maasduinen tatsächlich Dünen (natürlich Sanddünen).

Das war es dann aber erst einmal mit Sand, die Wege wurden fester, meine Stimmung war wieder besser … es war schon wirklich heftig, besonders weil ich die Last auf den kleinen Hinterrädern hatte, die doch ziemlich tief in den Sand einsackten. Zwischendurch befuhren wir auch asphaltierte Nebenwege, auf denen die Geschwindigkeit teilweise 24-27 km/h betrug – nein, es ging nicht bergab und wir hatten auch keinen Rückenwind. Ich fuhr wirklich an der Grenze meiner Leistungsfähigkeit, zum ersten mal zeigte mein Tacho mir HFmax. an. Im nachhinein frage ich mich schon, ob der Sand oder das Tempo anstrengender waren.

Wir machten Mittagspause und ich nutze die Gelegenheit mir einige Räder näher anzusehen und meinen Wissensdurst zu stillen. Kalorien- und Flüssigkeitsnachschub kamen auch nicht zu kurz. Natürlich begann es wieder zu tropfen – aber, unser Regenjackentrick half uns wieder – kaum waren die Regensachen angezogen hörte der Regen wieder auf. Gestärkt und optimistisch brachen wir wieder auf.

Nun tat sich eine weitere Herausforderung auf – wohl dem, der Schutzbleche am Rad hatte – der Regen, der uns verschont hatte, hat aus dem Boden eine teilweise sehr matschige Angelegenheit gemacht. Dicke MTB Reifen hinterließen tiefe Spuren auf den Wegen, so mancher Rücken trug unverwechselbare Zeichen der Strecke … es war geboten von einigen Radlern etwas mehr Abstand zu halten. Inzwischen hatten wir einen Punkt erreicht, an dem wir nochmals ca. 1,5 Kilometer tiefen Sand vor uns hatten … der harte Kern entschied sich für diesen Weg, der andere Teil der Gruppe umfuhr diese Herausforderung. Im nachhinein bedaure ich meine Entscheidung für den leichteren Weg …

Dies war die letzte Herausforderung in den Maasduinen, über zivilisierte Feld- und Wirtschaftswege führte uns der Weg zurück zu unserem Treffpunkt.

Es war eine schöne Tour mit vielen guten Gesprächen, einer einzigartigen Landschaft, die ich hier nicht erwartet hätte und vielen netten Menschen. Danke an alle für den schönen Tag.
Technische Daten:
Länge : 76 Kilometer
V max 30,8 km/h
V Ø : 17,2 km/h
HF Ø : 138 (84%)
HF max: 166 (100%)
TF Ø : 65
Temperatur max : + 15,8 °C
Temperatur min : + 8,1 °C
Wind Ø : 3-4 bft. W,SW
Da dies eine (nicht) öffentliche Tour war, setze ich das Einverständnis der Teilnehmer für die Veröffentlichung der Bilder voraus. Reklamationen und Einsprüche bitte per PN